Review: “Lovelace” (Berlinale)

Ich hatte die Gelegenheit mir "Lovelace" auf der Berlinale im Friedrichstadtpalast anzusehen. 

Die Story um den legendären Film "Deep Throat" war mir nicht ganz unbekannt, weil ich vor ein paar Jahren die Doku "Inside Deep Throat" auf Netflix gesehen habe.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Linda Lovelace aka Linda Susan Boreman, die Anfang der 70er Jahre durch großes Mitwirken ihres damaligen Ehemanns Chuck Traynor sozusagen in die Fänge der Pornoindustrie geraten ist. Als Resultat ihres – nach eigenen Aussagen – 12 tägigen Wirkens im Pornobusiness entstand einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, welcher bis heute ca. 600 Millionen Dollar eingespielt hat. Von diesen sah Linda aber nur ganze 1250 Dollar.

Der Film "Lovelace" zeigt, wie Linda von ihrem alles kontrollierenden, egomanischen und gewalttätigen Ehemann ins Business gezwungen und missbraucht wird. Anfangs, um "nur" ein paar Schulden zu begleichen. Später, um großes Geld zu machen. Am Ende der authentisch erzählten Geschichte, verlässt Linda ihren Ehemann und beginnt ein neues Leben, in dem sie u.a. ihr erfolgreiches Buch "Ordeal"  über diese harte Zeit veröffentlicht. 

Kurz gesagt, hat mich der Film nicht unbedingt vom Hocker gehauen. Die Geschichte von Linda Lovelace ist tragisch und auch stellenweise ergreifend, aber leider auch nicht mehr. Ich denke, es braucht heutzutage keinen Kinofilm mehr damit einem bewusst wird, dass das Pornogeschäft ein sehr schmutziges Geschäft ist und war und immer bleiben wird, bei dem die Menschenwürde nicht gerade im Vordergrund steht.

Der Film besteht aus vielen Rückblenden und Zeitsprüngen (aka "6 year later") und wird nicht chronologisch erzählt. Erst sieht man den "Aufstieg" Lovelace's mit allen "schönen" Seiten dargestellt (sie geht auf Parties, trifft viele damalige Stars und ist selber ein Star – das "Poster-Girl der sexuellen Revolution"). Dann wird quasi die gleiche Zeit noch einmal mit ihren Schattenseiten dargestellt. Dieser "Kunstgriff" sollte wohl ein "Aha"-Erlebnis bei den Zuschauern hervorrufen. Das gelingt auch teilweise. Nur leider ist das alles ziemlich vorhersehbar.

Insgesamt ein durchschnittlicher Film, der durchaus einige Höhepunkte (SCNR!) besitzt (z.b. Sharon Stone als Lovelace's Mutter oder Peter Sarsgaard als Chuck Traynor) – leider aber dem Thema nichts hinzuzufügen weiß und daher auch ein wenig überflüssig ist. 

 

Finding Vivian Maier – Official Movie Trailer

Vivian Maier hat Street-Photography gemacht, bevor es kewl war ;-)

Die Doku behandelt die doch ziemlich geheimnisvollen Umstände unter denen Maier mehr als 100.000 Fotos gemacht hat – ohne das jemand davon wußte. Die mysteriöse Vivian Maier machte ihre Aufnahmen zu einer Zeit, wo es nicht alltäglich war, dass man mit seinem Smart-Phone 70 Fotos am Tag von seinen Katzen ablichtet. Das sieht alles sehr interessant aus. Ich werd' die Doku mal im Auge behalten.

(via midnightbluesays)

 

Review: Narco Cultura (Berlinale)

Ich hatte die Gelegenheit mir  Shaul Schwarz's "Narco Cultura" auf der Berlinale anzusehen. Dreh- und Angelpunkt für die Dokumentation ist die mexikanische Stadt Juarez. Juarez gilt als Brennpunkt für den mexikanischen "Krieg gegen die Drogen". Die Verbrechensstatistik spricht Bände: Die Stadt gilt als Stadt mit der höchsten Mordrate (im Jahr 2008: 1600 Morde; 2009: 2657; 2010: 3111). Die Nachbarstadt El Paso auf amerikanischer Seite gilt dagegen übrigens als eine der sichersten Städte der USA. 

Die Situation um den Drogenkrieg wird von Schwarz sehr persönlich vor allem aus Sicht eines mexikanischen Forensikers und eines (ironischerweise) amerikanische (!) Narcocorrido-Musikers gezeigt. Falls ihr nicht wisst, was Narcocorrido ist: Wikipedia. Aus meiner Sicht nur ganz kurz zusammengefasst: Das ist Musik, die die mexikanischen Drogen- und Gewalttaten in Lobeshymnen besingt. Musikstil ist für mein Gefühl "UmpaUmpa"-Musik, d.h. mit Akkordeon, mexikanischen Trachten usw.. Auf Wikipedia heißt es ja treffenderweise "mexikanische Version des Gangsta-Rap". Ich finde, das trifft es ganz gut. Achso, ja, auch in "Breaking Bad" kommt dieser Musikstil ein paar Mal zum Einsatz.

Ich kann hier nicht überbetonen, wie genial und erschütternd gleichzeitig diese Dokumentation und die Geschichte dahinter ist. Es ist unglaublich, dass dieser Bürgerkrieg in Mexiko nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Der Forensiker – quasi auf der einen Seite – ist völlig überfordert und verzweifelt. Das einzige, was seine Abteilung, die selber ein paar Mitarbeiter durch Morde verloren hat, tun kann, ist die Morde zu verwalten. Eine Statistik: Von den 10.000 Morden in den letzten Jahren, wurden 97% NICHT einmal bearbeitet. Nur ganze 3% wurden also überhaupt bearbeitet (d.h., so wie ich es verstanden habe, dass bei nur 3% überhaupt jemand losgezogen ist, der einen Schuldigen sucht). Von den 3% wiederum, ist die Aufklärungsrate tatsächlich fast Null. De Facto kann man in Juarez jemanden erschiessen und kann sich fast sicher sein, dass einem nichts passieren wird. Diejenigen, die tatsächlich gefasst und überführt worden, sagen, dass sie keine Angst mehr vor der Polizei haben. Die Polizei in Mexiko selber gilt als hochgradig korrupt. Wie gesagt, die Beamten werden von den Drogenbanden eingeschüchtert oder gleich ermordet. Das ist der Status quo in Juarez, der ja eigentlich schon mehr als genug Stoff für eine Doku bietet.

Auf der anderen Seite wird dem Zuschauer von "Narco Cultura" aber auch die auf mich sehr befremdlich wirkende "Kultur" des Narcocorrido anhand besonders eines Musikers gezeigt. Der Typ, den Schwarz da begleitet ist ein kleiner Möchtegern-Poser, der selber auf der "sicheren" Seite in den USA lebt. Er ist auch, soweit ich das mitbekommen habe, gebürtiger Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln. Er singt "Volkslieder" über das Leben der Drogenbanden und seinen vermeintlichen Idolen. Von seinem Label wird gesagt, dass ihre Informationsquelle über die Geschichten, die besungen werden, weitestgehend Youtube und ein bestimmter Blog ist, der die Morde am laufendem Band beschreibt und mit Bildern illustriert. Studiogangster würde man im HipHop sagen. Das wird auch von dem Musiker nicht bestritten und "eindrucksvoll" unter Beweis gestellt, als er einen Musikerkollegen, der wirklich in Mexiko wohnt, sagt, dass er ihn gerne einmal in Mexiko besuchen kommen würde, um seinen Slang aufzupolieren und das wirkliche Gangsterleben kennenzulernen. Die Texte sind ungefähr so gestrickt: "Ich gehe raus mit meiner 9mm, verticke das Dope und schiesse dich tot und dann kommt die Polizei und nimmt mich fest". Dazu diese, für meinen Geschmack, unsägliche "UmpaUmpa"-Musik, bei der manch ein Opa mit seiner Omi verzückt im Takt schunkeln würde (Es hört sich wirklich an wie Musikantenstadl auf Mexikanisch). Das verblüffende ist, dass die Jugend in Mexiko und auch in den USA zu dieser Musik abgeht wie's Messer! Im Prinzip werden also die Greueltaten, die durch Drogengewalt verursacht werde, stark verherrlicht. Man kann argumentieren, dass das im HipHop nicht anders war. Dennoch: Narcocorrido hört sich an wie Gangster-Rap auf Steroiden. Die Musik und, was noch viel verblüffender ist, die Geschichten, die erzählt werden, scheinen schon ziemlich tief in der Kultur der Mexikaner (mexikanischen Jugend) verankert zu sein bzw. sehr stark von diesen angenommen zu werden. Ein junges Mädchen, welches interviewt wird (vielleicht 14 Jahre alt?) sagt dazu sinngemäß, dass sie das "bad life" gut findet und das alles einfach zu ihrer Kultur gehört.

Geschickt spielt Schwarz mit den Protagonisten und zeigt beide Seiten der Story. Außerdem sorgt der Schnitt für ein paar echte Schockmomente (very explizit content!). Schwarz meinte dazu, dass man so eine gewaltvolle Geschichte nicht ohne entsprechende Bilder erzählten kann, wenn man authentisch sein möchte.

Die Doku lief schon auf dem Sundance-Festival. Abschließend ein kleines Interview mit dem Regisseur. 

Guckt euch diesen Film an, wenn ihr die Zeit und die Gelegenheit dazu habt – bei mir hat sie jedenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

 

TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keyboard

Hier (endlich) die unheimlich interessante, spannende und vor allem wahre Geschichte von den Leute hinter "The Pirate Bay".

Sollte sich alle ansehen / verteilen. Es ist immer noch ein Skandal, was damals mit den Jungs gemacht wurde. Die Doku zeigt das hässliche Gesicht der Content-Mafia.

And still:

Sweden is not a state of the USA.

 

Review: “Demokratie” (Deutsches Theater)

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit mir das Stück „Demokratie“ von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner im deutschen Theater in Berlin anzusehen. Ich hatte absolut keine Ahnung, was auf mich zu kommt. Ich wusste nur, dass das Stück u.a. von Jürgen Kuttner inszeniert sein soll. Ich bin nicht jemand, der jede Woche ins Theater geht. Schon gar nicht ins deutsche Theater, sondern eher in kleinere Off-Theater. Aber ich habe – durch Freunde, die da wesentlich bewanderter sind als ich – doch schon einige Stücke letztes Jahr gesehen.

Jürgen Kuttner ist mir seit langem ein Begriff, weil ich ihn schon damalstm, als er noch den Blue Moon bei Radio Fritz moderiert hat, sehr geschätzt habe. Später sah ich mir dann auch ein paar seiner legendären Videoschnipselvorträge in der Volksbühne an und habe mich prächtig amüsiert.

Als alter Theaterignorant ist mir Tom Kühnel jedoch bisher nicht bekannt (was aber, wie gesagt, nichts heißen soll).

Das Stück dreht sich vordergründig um die Guillaume-Affäre Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Falls euch das nichts sagt, könnt ihr euch bei Wikipedia informieren oder, wer etwas mehr Zeit hat, kann auch auf Youtube die Doku „Willy Brandt und der Kanzlerspion“ ansehen. Außerdem bekommt man noch einen schönen historischen Abriss über die politischen Themen dieser Zeit (z.B. die Ostpolitik von Willy Brandt, der „mehr Demokratie wagen“ wollte oder den Umgang mit der NS-Vergangenheit einiger Politiker).

Das hört sich zunächst nach einer ziemlich leblosen, staubtrockenen Veranstaltung an – ist es aber überhaupt nicht! Der Clou an der Inszenierung von Kühnel und Kuttner besteht darin, dass die Charaktere an vielen Stellen deutsche oder französische Schlager und andere Songs lippensynchron performen, um die Emotionen oder Situationen zu veranschaulichen und natürlich beträchtlich auf die Schippe zu nehmen. Dieses Konzept, welches ich zumindest als gewagt bezeichnen möchte, geht in der Realität zu 100% auf und sorgt für beträchtliche, unkontrollierte Bewegungen in der Zwerchfellgegend. Schon der Anfang, als Willy Brandt gespielt von einem überragenden Felix Goessner durch das Publikum geht, rote Rosen verteilt und dabei – Na klar! – „Für mich soll es rote Rosen regnen“ von der Knef ‚singt’, war ein Highlight, welches aber im Verlauf der Aufführung durchaus noch getoppt werden sollte.

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Inszenierung, trotz aller Komik, nie komplett in den Klamauk abrutscht. Phasenweise mag das schon ziemlich albern gewesen sein, aber es blitzten auch immer wieder ernstere Sachverhalte hinter der Slapstick-Fasade hindurch. Davon abgesehen sind die Tanzeinlagen bzw. die Choreografie dieser, z.B. bei „The lions sleep tonight“, schon sehr, sehr witzig.

Was auch teilweise sogar verblüffend gut gelungen war, sind die Live-Kamera-Projektionen auf die Vorhänge der Bühne. Das hat für viel Atmosphäre gesorgt und hat das Spiel zusätzlich aufgelockert. Ich hätte nicht mit so viel anderen „Medien“ (vorgefertigte Filmschnipsel, Einspieler, die Live-Projektionen) in einer Inszenierung am deutschen Theater gerechnet. Das alles hat die Inszenierung in meinen Augen ziemlich modern wirken lassen. Aber wie gesagt, ich bin auch nur ein interessierter Leihe.

Ungefähr in der Mitte der ersten Hälfte (das Stück hat eine Spielzeit von ca. 3 Stunden), tritt Kuttner als Kuttner auf die Bühne und hält sozusagen einen Mini-Videoschnipselvortrag. In einem wahnwitzigen Tempo und dazu noch durchaus pointiert, gibt Kuttner einen Abriss über das Video welches man anschließend sehen sollte. Kuttner’s kleiner Monolog ist ungefähr 3x so lang wie das eigentliche Video, indem es sich um Sebastian Haffner dreht, der sich über die Politik der 60er Jahre beschwert und Vergleiche zu – Achtung! – Bismarck zieht. Was sich hier vielleicht furztrocken anhört, war im Kontext des Stücks pures Gold. 

Insgesamt fühlte ich die ganze Zeit über sehr gut unterhalten, habe nicht auf die Uhr gesehen und fand die erzählte Geschichte auch sehr spannend (auch wenn man natürlich schon vorher weiß, wie alles ausgeht). Außerdem gelingt Kühnel und Kuttner das Kunststück (SCNR!), zu unterhalten und dabei relativ komplexe politische Sachverhalte zu vermitteln. Wie Kuttner anmerkte, ist die 'Story' ja teilweise auch wieder aktuell. Themen wie der Verfassungsschutz (ja, der kommt auch in dem Stück vor und bekleckert sich wieder nicht mit Ruhm) oder "mehr Demokratie wagen" und insgesamt die Frage, wie Politik gemacht wird, sind wohl auch 2012 noch aktuell 2012 wieder aktuell. Chapeau!

Wer also mal etwa anderes als die immer gleichen Geschichten aus Hollywood ansehen möchte, der sollte das Geld in eine Karte für dieses Stück investieren. Man wird garantiert nicht enttäuscht!

Termine:

30. Januar 2013, 19.30 – 22.45 Uhr, B-Preise 

15. Februar 2013, 20.00 – 23.15 Uhr, B-Preise

25. Februar 2013, 20.00 – 23.15 Uhr, B-Preise

 

 

World War Z – Official Trailer

Unglaublich aber wahr: Bereits im Jahr 2009 habe ich hier darüber berichtet, dass World War Z von Marc Foster verfilmt werden soll. Es gab zwischenzeitlich unendlich viele Querelen, bis Brad Pitt sich dem Projekt angenommen und es so gerettet hat. Nun ist es _endlich_ soweit und der erste offizielle Trailer darf bestaunt werden.

Was auffällig ist: Die Zombies rennen. D.h., wie bereits gut inszeniert von Danny Boyle in "28 Days Later", werden die Zombies nicht dahinschlurfen und eigentlich gar keine Bedrohung darstellen, wenn man eine Axt zur Hand hat, sondern sie werden richtig  gefährlich sein. Das bedeutet natürlich auch eine Menge Aktion und wahrscheinlich eher weniger Suspense. Für "richtige" Zombiefilmfans ist das natürlich ein Graus. Aber sei es drum. Mit CGI's wurde auch nicht gerade gespart. Was man in dem Trailer sieht, gefällt mir aber bis jetzt richtig gut und ich werde mir deshalb auch weitere Trailer sparen. 

Zieht's euch rein!

 

Doku: New Mumbai

Tolle kleine Doku über die Slums von Dharavi in Navi Mumbai. Die Einheimischen dort haben einen Pilz genmanipuliert, um aus ihm Elektrizität zu gewinnen! Das ganze funktioniert dann wie eine gigantische Kartoffelbatterie

During the Indian Civil War, the Dharavi slums of Mumbai were flooded with refugees looking to escape the conflict. The Mumbai authorities, distracted by defence of the city and facing an already over-populated and poverty stricken slum could do little to maintain a semblance of civilised life in the area. Sometime later a cache of biological samples appeared through the criminal networks of Mumbai, in the vain hope that it might provide new marketable narcotic opportunities. The collective drive and expertise of the refugees managed to turn theses genetically-engineered fungal samples into a new type of infrastructure – providing heat, light and building material for the refugees. Dharavi rapidly evolved it's own micro-economy based around the mushrooms. This documentary tells the story of some of the characters involved from Mumbai and the rest of the world and how Dharavi came to be such a unique place.

Hier gibt's noch mehr Infos darüber.

(via nerdcore)